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30 Jahre bei der Hobbymesse Leipzig: Das Projektteam über Blitzableiter, Papierberge und Wasserbecken
Die Hobbymesse Leipzig wird im Oktober 30 Jahre alt und wir feiern dieses Jubiläum mit einem ganz exklusiven Blick hinter die Kulissen. Mit der Rubrik #Hobbygeschichten schauen wir zurück auf drei Jahrzehnte voller Begeisterung, Kreativität, Innovation und auch ein bisschen kontrolliertes Chaos. Wir lassen langjährige Wegbegleiter und Aussteller zu Wort kommen und lernen die aufregende Geschichte von einer Messe kennen, die heutzutage zu den vielseitigsten und beliebtesten Freizeitmessen Deutschlands zählt. Los geht es mit einem exklusiven Einblick in den „Maschinenraum“ der Hobbymesse – wir haben mit den Projektassistentinnen Kathrin Zoch und Madlen Schneider gesprochen. Sie begleiten die Messe seit der ersten Stunde. Ein Bericht von zwei Menschen, die sich Hobbys zum Beruf gemacht haben.
Es ist 1995 und die Messemacher sitzen in ihren Büros auf dem alten Messegelände, einen Steinwurf vom Völkerschlachtdenkmal entfernt. Zwischen tonnenweise Papier versucht Kathrin Zoch neben der Messeplanung noch einen Umzug erfolgreich zu überstehen. „Ich kann mich nur noch an den puren Stress erinnern, den Umzug mit all den Akten hinzubekommen. Es war sehr aufregend aber auch umständlich. Bis man sich geordnet hat und arbeitsfähig war – das hat gedauert.“ Gemeint ist der Umzug der Leipziger Messe vom alten auf das neue Messegelände – vom Südosten der Stadt in den Norden. Ganz nebenbei gab es noch eine neue Messe zu organisieren: Die Modell & Hobby. Vom 17. bis 20. Oktober sollte sie stattfinden und Kathrin zählte zum Projektteam, das neben anderen großen Publikumsmessen wie der HAUS-GARTEN-FREIZEIT und der damaligen mitteldeutschen handwerksmesse nun auch eine Messe für Modellbau, Kunstbedarf und vieles mehr organisieren sollte. Aus der Ruhe brachte sie das aber keineswegs: „Die Vorbereitung der Messe als solche war gar nicht so aufregend – die Zeitschiene des Umzugs hat mich mehr beschäftigt.“ Immerhin anderthalb Jahre Vorlauf hatte die damalige Sekretärin in der Messeplanung und natürlich konnte sie die neuen Messehallen und Büros im Norden der Stadt als eine der ersten besichtigen. Das Team war trotz der räumlichen Situation erfolgreich und legte mit einer gelungenen Modell & Hobby den Grundstein für die heutige Freizeitmesse.
Schon bei der dritten Auflage daran mitwirken konnte Madlen Schneider. Als damalige Auszubildende in der Versandstelle hatte sie bereits einige Monate vor den Projektteams ein neues Büro in Anspruch genommen und zog früher auf das neue Messegelände. Viel los war damals noch nicht, wie sie sich heute erinnert. Nachdem sie ausgelernt hatte, ergab sich die Chance Teil des Teams der Hobbymesse zu werden. Hundert Prozent überzeugt war Madlen damals nicht, wie sie heute verrät: „Ich habe eigentlich im Bewerbungsgespräch gesagt, dass ich keine Akquise mag. Da hieß es dann aber ‚das müssen wir alle machen‘. Die Akquise war damals ja auch noch ganz anders als heute.“ Trotzdem sollte es passen. Innerhalb kurzer Zeit eignete sich Madlen die Arbeitsweise im Projekt an und musste dabei vor allem jede Menge Papier verwalten. Auch Hallenpläne wurden noch von Hand gezeichnet und einzelne Angebote per Fax verschickt. Kathrin Zoch erinnert sich lebhaft an die Melodie des Geräts: „Die Anmeldungen sind damals alle per Fax gekommen. Jedes Mal, wenn wir eine Sendung erhalten haben und die Melodie gehört haben, riefen wir uns zu, dass jetzt wieder eine Anmeldung ankommt – auch wenn es vielleicht etwas anderes war.“
Ein unvergessliches Spielefest
Mit der Zeit entwickelte sich die Messe nicht nur technologisch weiter – auch inhaltlich und thematisch wuchs die Hobbymesse spürbar. Bereits 1998 wurde das zuvor in der Innenstadt organisierte Leipziger Spielfest an die Modell & Hobby angegliedert und fand zunächst in der Glashalle statt. Ein Projekt, dass besonders Madlen Schneider stark beschäftigte: „In meinem ersten Jahr wurde dann jemand für das Spiel ‚Zicke Zacke Hühnerkacke‘ gesucht - ein Großspiel, wo man acht Kinder mit Federn schmückt und betreut. Das Spiel war nicht abgesperrt und jeder lief drüber und ich war von früh bis spät so stark damit beschäftigt, dass ich von meiner ersten Modell & Hobby eigentlich gar nichts mitbekommen habe.“ Auch ihre Kollegin Kathrin kann sich noch an einen besonderen Moment von diesem Jahr erinnern – ein Akquisegespräch mit dem Spieleverlag Ravensburger. Eigentlich ein No-Go, denn im Team galt, dass nur die Chefin so einen wichtigen Kunden anruft. Kathrin griff trotzdem zum Telefon, berichtete vom neuen Veranstaltungskonzept und der Eingliederung des Leipziger Spielefestes – mehr Überzeugungsarbeit brauchte es gar nicht, Ravensburger sagte zu!
Dieses Fingerspitzengefühl und den menschlichen Aspekt, den betonen beide Projektassistentinnen deutlich. „Oft hilft es, wenn Kunden uns erzählen, dass demnächst ein Geburtstag ansteht oder eine Hochzeit und wir in späteren Gesprächen darauf eingehen und gratulieren. Das zeigt den Ausstellern, dass wir ihnen zuhören und persönliche Punkte merken“, so Kathrin Zoch. Aber nicht immer laufen die Gespräche so ruhig ab – es kann auch mal laut werden am Telefon und das Projektteam muss den Blitzableiter spielen: „Da kann man dann nur sagen, beruhigen Sie sich etwas und wir telefonieren später noch einmal. Man entwickelt über die Zeit ein Bauchgefühl, welche Gespräche können noch was werden und wer will jetzt vielleicht nichts von dir hören“, so Kathrin weiter. Letztlich sind diese negativen Erfahrungen Ausreißer und der persönliche Austausch wird zum Highlight: „Es ist einfach schön, wenn man durch die Messehalle geht und schon gerufen wird oder die Aussteller bereits am Telefon sagen, dass man unbedingt an ihrem Stand vorbeikommen soll“, so Madlen Schneider, die sich längst mit der Akquise anfreunden konnte.
Neue Aufgaben und unerwartete Aussteller
Auch ein anderes Tätigkeitsfeld hat sich die Projektassistentin über die Jahre angeeignet – die Hallenaufplanung. „Das hat mir von Anfang an Spaß gemacht“, blickt Madlen auf ihren Werdegang. Zunächst war sie für die Bereiche Spiel und Kreativ zuständig, seit über 20 Jahren aber platziert sie nun schon Teile der Modellwelt und die Technikwelt, die heutzutage in der Messehalle 5 zuhause sind. Unverändert ist, dass die Platzierung ein großes Puzzlespiel mit vielen Fallstricken ist. Alle wollen möglichst weit vorn stehen, artverwandte Produkte dürfen nicht zu nah beieinanderstehen, manchmal spielen auch persönliche Befindlichkeiten rein. Doch Madlen Schneider sagt klar: „Bisher haben wir alle zufrieden bekommen.“ Manchmal kommt es sogar vor, dass mehr Aussteller in der Halle stehen, als eigentlich angemeldet sind. So verirrte sich erst im vergangenen Jahr ein Aussteller auf die Hobbymesse, obwohl er eigentlich zu einer anderen Messe wollte. Es ergab sich ein Platz für ihn und er verzeichnete eine erfolgreiche Messe – in diesem Jahr will er gleich mit zwei Standflächen wiederkommen. „Es war sein bester Fehler aller Zeiten“ schauen die beiden Assistentinnen lachend zurück.
Seit 2006 – also seit 20 Jahren – arbeiten beide an keinem anderen Projekt als der Hobbymesse Leipzig Die Besucherkurve ging steil nach oben und aus ursprünglich einer Halle sind 3 Messehallen plus Glashalle geworden. Doch natürlich läuft es nicht immer wie geplant. Mal muss vor der Messe spontan eine Projektmanagerin ins Krankenhaus, mal gibt die Infrastruktur nach. Der wohl größte Schreckmoment liegt nur zwei Jahre zurück.
Der Wasserbecken-Moment
Es war der erste Messetag der Hobbymesse Leipzig 2024. Bereits um 5 Uhr morgens klingelt bei Kathrin Zoch das Arbeitshandy während sie sich schon auf den Messetag vorbereitet. „Da wollte ich erst nicht rangehen und dachte mir, wer will denn so früh schon etwas von mir? Mein Mann überzeugte mich dann aber, es könnte ja etwas sein und ich sollte rangehen.“ Es meldet sich der Hallenmeister mit der Hiobsbotschaft: Das Wasserbecken in Halle 5 hat ein Loch und läuft aus. Kathrin geht sofort in Krisenmodus über und versucht die Leitzentrale zu erreichen – parallel ruft Madlen Schneider bereits privat bei Projektdirektorin Heike Fischer an. Kurze Zeit später kommen alle auf dem Messegelände an und gehen sofort in die Halle. Die Kollegen der Sicherheitsabteilung und von der Veranstaltungstechnik konnten das Wasser bereits stoppen und stellten auch den Strom in der Halle ab. Das Projektteam machte sich sofort daran, die Stände zu besuchen und die größten Schäden ausfindig zu machen. Einen Aussteller traf es besonders hart – der gesamte Teppich unter dem Stand hatte sich vollgesaugt und die Kisten mit Spielzeug und Modellen waren durchnässt. Aufgrund von Zeitdruck wurden diese zunächst behelfsmäßig gerettet. Da der Schaden früh entdeckt wurde, konnte die Messe auch wie geplant starten. Nach Messeschluss traf sich das Projektteam wieder beim Aussteller, räumte in einem gemeinsamen Kraftakt den Stand zur Seite, sodass der Teppich gewechselt und alle weiteren Schäden bereinigt werden konnten. „Am Morgen sah dann alles wieder aus wie vorher und das Becken wurde dauerhaft überwacht. Wir haben es wirklich den Hallenmeistern zu verdanken, dass es hier eigentlich noch glimpflich ausging“, erklären die beiden Assistentinnen. Die Erinnerung bleibt, sagt Kathrin Zoch: „Wir hatten früher ein anderes Wasserbecken mit einer Matte, die dann gerne mal getropft hat und haben immer gesagt, dass ein Auslaufen wirklich das Worst Case-Szenario wäre. Das musste wahrscheinlich auch einmal passieren – jetzt haben wir auf jeden Fall ein neues Becken!“
Hobbyisten durch und durch
Nun steuert die Hobbymesse Leipzig auf ihr 30-jähriges Jubiläum zu und das Team nimmt viel Rückenwind mit in die Planung. Das letzte Jahr bezeichnet Kathrin Zoch als einen echten Glücksmoment. „Das war wieder richtig schön und motiviert uns einfach. Man merkt das auch gleich in der Akquise – nach einem so erfolgreichen Jahr geht man leichter und fröhlicher in die Gespräche.“ Dabei kann die Familie Zoch auch stolz auf die Weiterentwicklung der Indoor-Flugfläche in Messehalle 5 sein, denn hier ist ein echtes Familienprojekt entstanden. Zusammen mit ihrem Ehemann ist Kathrin stark beim MFC Leipzig Süd in der Modellflug-Szene verankert und hat mit dem MFC Jessen einen starken Partner für die Organisation der Flugfläche gefunden. Der Fokus liegt ganz klar auf dem Nachwuchs des Sports. Wenn sie nicht gerade auf dem Flugplatz steht, schwingt sich Kathrin in ihrer Freizeit aufs Rennrad oder verreist mit dem Camper. Das Reisen – insbesondere mit dem Zug – begeistert auch Madlen Schneider. Darüber hinaus ist sie passionierte Näherin – von Kleidung über Taschen bis zu kleinen Geschenken. Mehr als einmal versuchte das Team bereits, sie als Ausstellerin für die Hobbymesse zu akquirieren, betont Kathrin Zoch. Beide sind sich einig: Die Hobbymesse hat auch ihre Hobbys bereichert und sie kaufen gern vor Ort ein. Madlen beschreibt es mit einem Augenzwinkern: „Wir wollen ja auch gern für Umsatz bei unseren Ausstellern sorgen.“