News

News

24.08.2026 Hobbymesse Leipzig

Der wichtigste Spielzug? Alle an einen Tisch bringen

Ein Spieltisch ist dann am schönsten, wenn für alle ein Platz frei ist. Genau daran arbeiten Nicole und Stephan Zeller mit Kagu Spiele. Die Idee dafür entstand nicht am Schreibtisch, sondern bei gemeinsamen Spieleabenden – und durch Menschen wie ihre Freundin Julia, die Nicole gezeigt hat, wie viel Freude ein Spiel auslösen kann. Aber auch, wie schnell Regeln, Farben oder Gestaltung zur Hürde werden. Heute entwickeln sie Spiele, die möglichst viele Menschen an einen Tisch bringen. Auf der Hobbymesse Leipzig könnt ihr ausprobieren, wie gut das funktioniert.

Julia spielt nicht einfach gern. Sie spielt richtig gut. Für Nicole Zeller ist ihre Freundin eine echte Koryphäe am Spieltisch – und einer der Menschen, die ihren Blick darauf verändert haben, was ein gutes Gesellschaftsspiel können muss. Julia lebt mit geistigen und körperlichen Behinderungen und liebt es zu spielen. Nur passende Spiele zu finden, war nicht immer leicht.

Diese Erfahrung kannte Nicole auch aus dem Vereinsleben. Gemeinsam mit ihrem Mann Stephan engagierte sie sich viele Jahre in einem Brettspielverein, unter anderem bei Angeboten für Seniorinnen und Senioren sowie Menschen mit Behinderung. Dabei tauchte immer wieder dieselbe Frage auf: Welches Spiel können wirklich alle gemeinsam spielen? Komplizierte Regeln, lange Spielzeiten oder Farben, die sich bei Farbenblindheit kaum unterscheiden lassen – manchmal entscheiden kleine Details darüber, wer mitspielen kann.

Genau hier setzt Kagu Spiele an. Nicole und Stephan wollen Gesellschaftsspiele schaffen, die möglichst vielen Menschen offenstehen: Familien und Senioren, Wenig- und Vielspielern, Menschen mit und ohne Behinderung. Verständliche Regeln, kurze Spielzeiten und eine zugängliche Gestaltung gehören deshalb von Anfang an dazu.

Gegründet wurde Kagu 2019 – kurz bevor Corona die Pläne des jungen Unternehmens gehörig durcheinanderbrachte. 2024 erschien mit „Kiribati“ schließlich das erste Spiel, gemeinsam mit dem Verlag Spieltrieb. Inzwischen veröffentlicht Kagu selbst und gibt dabei auch jungen Spieleautoren eine Chance. Denn bevor ein Spiel auf dem Tisch landet, wird ordentlich getüftelt: Mal steht zuerst die Geschichte und sucht nach der passenden Mechanik, mal ist es genau andersherum. Wie ernst Kagu das Prinzip „Spiele für alle“ nimmt, zeigt Jahu Safari. Das kooperative Familienspiel entstand gemeinsam mit fünf Menschen mit Mehrfachbehinderung im Projekt „Spielemacher inklusiv“. Und für alle, die beim Wort „Brettspielabend“ bisher lieber einen Schritt zurücktreten, empfiehlt Nicole „Kirlo“: schnell verstanden, kurzweilig gespielt – und laut Nicole schon mehrfach erfolgreich an Spielemuffeln getestet.

Auf der Hobbymesse dürfte Kirlo allerdings kaum zu übersehen sein: Kagu bringt das Spiel im XXL-Format mit nach Leipzig. Statt kleiner Spielfiguren auf dem Tisch wird hier eine Nummer größer gespielt – und natürlich darf selbst ausprobiert werden. Auf der Hobbymesse Leipzig wird aus der Idee „Spiele für alle“ eine Auszeichnung. Erstmals wird das Siegel „Spiele für alle – inklusiv“ vor Publikum vergeben. Seit Monaten werden dafür Spiele getestet und diskutiert. Im Gremium sitzen Fachleute ebenso wie Menschen mit Behinderung und Angehörige. Denn wer könnte besser beurteilen, ob wirklich alle mitspielen können, als diejenigen, für die vermeintlich kleine Hürden einen großen Unterschied machen?

Und Nicoles Spieltisch soll noch größer werden: In Leipzig plant sie mit dem Würfelwichtel ein eigenes Brettspielcafé. Rund 1.900 Spiele warten in ihrer Sammlung bereits auf ihren Einsatz – jedes davon hat sie nach eigener Aussage selbst ausprobiert. Die passende Location wird noch gesucht, die Idee steht längst: ein Ort, an dem möglichst viele Menschen zusammenkommen, die Karten mischen, die Würfel rollen – und niemand nur zuschauen muss.

Zum ersten Mal auf der Hobbymesse Leipzig: Kagu Spiele
Zurück zu allen Meldungen