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Kicker, Köpfchen, Kilobytes – Rückkehr der Robo-Fußballer
Der Ball rollt, der Gegner kommt näher – passen oder selbst aufs Tor? Was jetzt passiert, entscheidet kein Mensch am Spielfeldrand. Die Roboter der HTWK Leipzig spielen vollkommen autonom. 2026 kehrt der Roboterfußball mit einer neuen Generation auf die Hobbymesse zurück. Schneller, stärker und rund 100-mal rechenstärker als ihre Vorgänger. Wie nah sie dem echten Fußball damit schon kommen? In Halle 5 könnt ihr es selbst sehen.
Der Ball liegt ein paar Schritte entfernt, ein Mitspieler wäre frei, gleichzeitig öffnet sich der Weg zum Tor. Passen oder schießen? Für einen Fußballer ist das eine Entscheidung von Sekundenbruchteilen. Auf dem Spielfeld der RoboCreators der HTWK Leipzig auch. Jedoch mit einem wesentlichen Unterschied: Hier entscheidet eine Maschine – kein Mensch.
„Alles!“, antwortet Projektleiter Tobias Jagla auf die Frage, wie viel die Roboter während eines Spiels selbst entscheiden. Sobald sie vom Spielfeldrand einlaufen, darf das Team nicht mehr eingreifen. Die Roboter erkennen den Ball und ihre Position auf dem Feld, registrieren ihre Mitspieler und entscheiden eigenständig, wohin sie laufen, ob sie passen oder selbst den Abschluss suchen. Bewegung, Bilderkennung und taktische Grundlagen wurden ihnen vorher einprogrammiert. Was daraus im laufenden Spiel wird, müssen sie allein lösen.
In diesem Jahr könnt ihr genau das wieder auf der Hobbymesse Leipzig beobachten. Die RoboCreators der HTWK Leipzig bringen den Roboterfußball zurück – und diesmal steht eine neue Generation auf dem Platz. Die Booster K1 lösen die bisherigen NAO-Roboter ab. Sie sind größer, robuster und beweglicher, verfügen über stärkere Motoren, Stereokameras und ungefähr 100-mal mehr Rechenleistung als ihre Vorgänger.
Was nach technischen Daten klingt, wird auf dem Spielfeld ziemlich schnell sichtbar: Die Bewegungen werden geschmeidiger, sicherer und präziser, auch das Zusammenspiel verbessert sich. Wie viel trotzdem noch zu lernen ist, zeigte zuletzt die Weltmeisterschaft in Südkorea. Unter insgesamt 62 Teams schafften es die RoboCreators bis ins Finale und wurden Vizeweltmeister. Dort zeigte sich auch, wo andere Spitzenmannschaften schon entscheidende Sekunden herausholen: Die niederländischen Roboter stehen besonders schnell und stabil wieder auf, die Bremer können aus dem Lauf heraus schießen. Genau an solchen Bewegungen arbeiten die RoboCreators nun weiter – ebenso an der Strategie.
Künftig sollen die Roboter taktisches Verhalten verstärkt in Simulationen trainieren und so lernen, welche Entscheidungen auf dem Spielfeld besonders erfolgreich sind. Doch selbst mit 100-mal mehr Rechenleistung haben Menschen ihnen noch etwas voraus: Fingerspitzengefühl – im wahrsten Sinne des Wortes. Im Zweikampf spürt ein Mensch den Körperkontakt und kann einschätzen, wo sich sein Gegner befindet. Ein Roboter verlässt sich dagegen hauptsächlich auf seine Kameras. Was er nicht sieht, kann schnell zum Problem werden. Eine Art künstliche Haut könnte ihm eines Tages helfen, auch Berührungen wahrzunehmen.
Bis dahin bleibt der Zweikampf eine der Situationen, in denen der Mensch noch klar im Vorteil ist. Wie weit die Roboter trotzdem schon sind, könnt ihr vom 2. bis 4. Oktober selbst erleben. Auf der Hobbymesse ist ein Freundschaftsturnier mit Gastmannschaften geplant, etwa alle zwei bis drei Stunden soll angepfiffen werden. Dazwischen könnt ihr den Teams beim Testen und Programmieren direkt am Spielfeld über die Schulter schauen. Und mit etwas Glück begegnet euch einer der Booster sogar abseits des Rasens – eine kleine Runde durch die Messehallen ist ebenfalls geplant.
Für Jagla liegt genau darin die Faszination: Was eben noch Code auf einem Bildschirm war, läuft im nächsten Moment über das Spielfeld, passt oder schießt aufs Tor. Und mit jeder Verbesserung kommen die RoboCreators ihrem großen Ziel ein kleines Stück näher. Bis 2050 sollen Roboter gegen Menschen Fußball spielen können. Bis dahin gibt es allerdings noch einiges zu tun. Oder besser gesagt: zu programmieren.