News

News

07.09.2026 Hobbymesse Leipzig

Leinen los für die Drachen-Überflieger

Kein Wind, kein Himmel – und trotzdem fliegen die Drachen. Beim Indoor-Drachenfliegen sorgen die Pilotinnen und Piloten selbst für den nötigen Aufwind und verbinden dabei Tüftelei, Bewegung und erstaunlich viel sportliches Können. Auf der Hobbymesse Leipzig treffen Weltmeister auf Nachwuchs, handgenähte Einzelstücke auf drei Meter große Fledermäuse und eine Community, die seit fast 30 Jahren dafür sorgt, dass Leipzig die Leinen nicht loslässt.

Drei Schritte zurück. Den Drachen einlenken. Loslaufen. Was Dietmar Schlottig beschreibt, klingt zunächst ungewöhnlich. Denn über ihm ist kein Himmel, sondern das Dach einer Messehalle. Und trotzdem hebt der Drachen ab. Beim Indoor-Drachenfliegen kommt der Wind nicht von draußen. Die Pilotinnen und Piloten erzeugen die nötige Strömung selbst, indem sie sich rückwärts, vorwärts und im Kreis bewegen.

Dass ausgerechnet die Leipziger Messe einmal zum Flugrevier werden würde, war vor rund 30 Jahren noch nicht abzusehen. Schlottig und der 1. Drachenclub Leipzig „Modschegiebchen“ waren schon bei der zweiten Ausgabe der damaligen „Modell & Hobby“ dabei. Irgendwann kam die Frage auf: Wenn wir die Drachen hier zeigen können – warum sollten wir sie nicht auch fliegen lassen? Ein Vereinsmitglied baute einen Lenkdrachen und schickte ihn an rund 15 Metern Leine durch die Glashalle. Der Anfang war gemacht.

Die Herausforderung: spezielle Indoor-Drachen konnte man damals nicht einfach von der Stange kaufen. Und auch heute steckt in den Modellen echte Handarbeit. Am Anfang liegt manchmal nur ein großes Stück Stoff auf dem Tisch. Daraus werden Motive entworfen, Schablonen angefertigt, einzelne Teile ausgeschnitten, verbunden und sorgfältig vernäht. Selbst die Garnfarbe wird Teil der Gestaltung. Drei Tage kann so ein Drachen brauchen – manchmal mehrere Wochen. Spätestens wenn der Drachen abhebt, wird aus Handwerk echter Sport.

Im Wettkampf reicht es nicht, ihn einfach in der Luft zu halten. Innerhalb einer nur wenige Minuten langen Kür müssen Manöver sauber geflogen werden, Linien und Figuren stimmen und die Bewegungen mit der Musik zusammenspielen. Schlottig beschreibt es fast wie einen Kampf um jeden Punkt: Präzision und Kontrolle zählen ebenso wie die Ästhetik der Bewegungen. Und während der Drachen scheinbar schwerelos durch die Luft gleitet, ist unten voller Körpereinsatz gefragt. Die Pilotinnen und Piloten laufen vor und zurück, drehen sich, halten die Strömung aufrecht und müssen dabei jede Bewegung des Drachens im Blick behalten. Kondition trifft Konzentration.

Wie weit man es damit bringen kann, zeigt Matthias Klimke aus Gräfenhainichen: Der Weltmeister im Indoor-Zweileiner-Drachenfliegen ist 2026 in Leipzig dabei. Dass an den Leinen aber noch etwas anderes hängt, zeigt eine Erinnerung, die Schlottig bis heute nicht vergessen hat. Für eine Nachtflugshow blieb die Messe damals eigens länger geöffnet. Die Glashalle war voller Menschen, Drachen flogen im Dunkeln durch Pyrotechnik und Spezialeffekte. Laut Schlottig war es die erste Nachtflugshow dieser Art im Indoor-Bereich. Mitten im Publikum saß der damalige Vereinspräsident Reinhard „Willi“ Wild – und weinte. Ein Moment, der Schlottig bis heute im Gedächtnis geblieben ist.

Genau diese Begeisterung zieht die Drachenflieger immer wieder nach Leipzig. Menschen aus ganz Deutschland kommen hier zusammen, manche sehen sich nur einmal im Jahr. Kinder bleiben stehen, stellen Fragen und probieren sich in der Flugschule selbst aus. Dieses Interesse sei für Schlottig jedes Mal aufs Neue „Balsam für die Seele“. Und natürlich gibt es einen Moment, auf den sich viele Stammgäste längst freuen: Wenn plötzlich ein ganzer Schwarm riesiger Fledermäuse über den Köpfen kreist. Die Fledermausflugshow gehört zu den Publikumslieblingen des Indoor-Drachen-Festivals und ist natürlich auch dieses Jahr wieder fest geplant.

Ein paar Überraschungen hält Schlottig ganz bewusst noch zurück. Was diesmal durch Halle 1 schweben, tanzen oder plötzlich über den Köpfen auftauchen wird? Schaut es euch an!

Auch ohne Wind stiegen die Drachen von Dietmar Schlottig in die Luft.
Zurück zu allen Meldungen