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Spannung und Leidenschaft: Ein Blick ins Drehbuch der Hobbymesse Leipzig
Zwei Frauen, zwei Generationen, zwei Welten. Heike Fischer (58) und An Thuy Le (29) sind die Projektdirektorin und die Projektmanagerin der Hobbymesse Leipzig. Was sie gemeinsam haben, ist die Leidenschaft für ihr Projekt. Im Gespräch geben sie Einblicke in ihre Zusammenarbeit.
Heike: Ich bin doppelt so alt wie du. Wie ist es so für dich, mit einer Oma zu arbeiten?
An: Ach, gar nicht so schlimm, meine Oma ist noch älter.
Heike: Ich finde es spannend, wie verschieden unsere Perspektiven manchmal sind. Das hilft uns dabei, die Hobbymesse für alle Generationen offen zu halten.
An: Ja, wir ergänzen uns gut. Du hast viel Erfahrung und das große Ganze im Blick. Ich bin chronisch im Internet unterwegs und sehe, wie meine Generation auf Trends reagiert.
Heike: Wir sind auch oft zusammen auf anderen Messen unterwegs. Meistens kommen wir mit neuen Ideen zurück. Du hast zum Beispiel einen frischen Blick ins Team gebracht, wenn es um Spielverlage oder Trading Cards geht.
An: Das Thema Spielen liegt mir besonders gut. Insgesamt finde ich es manchmal schwer, den Überblick zu behalten, weil wir für die Hobbymesse permanent an neuen Konzepten arbeiten. Was denkst du, was wird das nächste große Thema auf der Hobbymesse?
Heike: Als neues Thema? Sport. Damit haben wir gerade erst angefangen, und schon findet bei uns der Europacup im Speedklettern statt. Die Sport-Events in der Eingangshalle ziehen Tausende Erstbesucher auf die Hobbymesse. Trotzdem bleiben unsere stärksten Themen das Spielen, der Modellbau, Modelleisenbahn und das Kreative Gestalten. In diesen Bereichen gehört die Hobbymesse zu den größten Branchenevents in Deutschland, das soll auch so bleiben.
An: Stell dir mal vor, die Hobbymesse wäre ein Film: Was wäre das für ein Genre?
Heike: Gute Frage, vielleicht eine Abenteuerserie? Oder eine Dramödie?
An: Dramödie?
Heike: Ja, eine Mischung aus Dramatik und anspruchsvoller Unterhaltung. Für das Publikum ist die Hobbymesse ein Riesenspaß, sie ist unterhaltsam für die ganze Familie – das ist die eine Seite. Auf der anderen Seite, also für uns hinter den Kulissen, ist es ernsthafte Arbeit, manchmal auch mit tragischen Momenten. Wenn zum Beispiel langjährige Aussteller absagen, weil sie aus wirtschaftlichen Gründen aufgeben müssen, bewegt uns das im Team. Über die Jahre haben sich viele enge Beziehungen entwickelt, fast schon Freundschaften, und wir freuen uns jedes Jahr auf ein Wiedersehen. Dann ist es schon traurig, wenn jemand nicht wiederkommt.
An: Was ist der häufigste Grund für Aussteller-Absagen?
Heike: Bei den Händlern ist es meistens der Preisdruck aus dem Onlinehandel. Auf der Messe lassen sich viele Besucher beim Fachhändler beraten, aber anschließend kaufen sie billig im Internet. Die Beratung und die bessere Qualität wollen sie nicht bezahlen. Niemand muss sich wundern, wenn manche Händler nicht mehr auf Messen gehen. Glücklicherweise trifft es bei uns nur wenige Bereiche, aber trotzdem fällt es auf.
An: Gleichzeitig kommen immer wieder neue Aussteller dazu, junge Firmen mit neuen Ideen. Oder große Spielverlage, siehe Konami oder Feuerland, die der Hobbymesse eine wachsende Bedeutung für die Spielebranche beimessen.
Heike: Stimmt. Die Hobbymesse ändert sich zusammen mit ihrem Publikum. Bei Verlagen spricht sich herum, dass unsere Besucher jünger und spielaffiner geworden sind. Neben Familien und Gelegenheitsspielern sind immer mehr Experten und Vielspieler unterwegs.
An: Ich denke, nach der großen digitalen Welle ist es ein genereller Trend, sich wieder mehr mit analogen Hobbys zu beschäftigen. Das sieht man nicht nur bei den Spielen, sondern auch bei Handarbeiten und künstlerischen Hobbys.
Heike: Ja, wobei das Digitale ebenfalls spannend bleibt - zum Beispiel, wenn die neueste Generation der KI-Roboter auf der Hobbymesse Fußball spielt. In den Robotik-Workshops für Kinder beobachten wir, wie auf spielerische Weise Hemmschwellen abgebaut werden; vielleicht stellen sich hier schon erste Weichen für die spätere Berufsorientierung.
An: Spannend finde ich auch, dass so viele Pädagogen zu uns kommen. Die Weiterbildung „Spielen im Unterricht“ war schon beim allerersten Mal gut besucht, sogar interessierte Eltern waren dabei.
Heike: Den Bereich hast du mit aufgebaut. Was motiviert dich daran?
An: Es sind vor allem die Menschen, die dahinterstehen. Die Organisatoren und Dozenten der Spiele- Workshops sind unglaublich engagiert und so voller Leidenschaft dabei, das ist sehr überzeugend und ansteckend.
Heike: Wir hatten vorhin überlegt, welcher Film die Hobbymesse sein könnte. Was wäre deine Rolle in der Filmcrew?
An: Ich würde gern am Drehbuch mitschreiben. Dich sehe ich auf jeden Fall als Regisseurin.
Heike: Du möchtest nicht die Regisseurin sein?
An: Nein, jedenfalls nicht als Projektdirektorin. Du musst dich auch um die finanziellen Seiten der Messe kümmern, darum beneide ich dich wirklich nicht. Und du baust Netzwerke auf, das liegt dir, glaube ich, besser als mir.
Heike: Abwarten, du bist erst anderthalb Jahre dabei und hast schon so viele Kontakte. Netzwerken kann man lernen. Die wichtigsten Voraussetzungen sind die Identifikation mit dem Projekt und die Leidenschaft für die Themen, daran erkennt man Gleichgesinnte. Du hast auf jeden Fall beides. Aber ehrlich gesagt, bin ich ganz froh, dass du nicht auf meinen Posten scharf bist…
An: Jetzt ist alles gut so. Ich bin glücklich in unserem Hobbymesse-Team, wir haben ein tolles Verhältnis unter uns Kolleginnen, auch mit den Praktikantinnen und Azubis. Ich wollte immer einen Bürojob haben, aber keinen langweiligen, sondern etwas Abwechslungsreiches, wo immer etwas Neues passiert. Das habe ich gefunden.
Heike: Das klingt ja fast wie ein Happy End. Aber lass uns lieber sagen: Fortsetzung folgt.